Tuffgruben und Piconkulturen

Beschäftigt man sich mit der Geologie Lanzarotes, dürfen die zahlreichen Tuffgruben
nicht unerwähnt bleiben, aus denen in großem Maßstab ein Lockergestein mit ganz
ungewöhnlichen Eigenschaften gewonnen wird.

Die Rede ist vom sogenannten "Picon", das in der lanzarotenischen Landwirtschaft seit
vielen Jahrhunderten eine entscheidende Rolle spielt.
Die pechschwarzen, stark porösen, eckig - kantigen Picon - Lapillipartikel

werden in 20 cm dicken Schichten auf die Felder aufgebracht.
Hier offenbaren sie erstaunliche Eigenschaften.

Während Lanzarote insgesamt gesehen an Niederschlägen arm ist -

man rechnet mit etwa 200 mm Jahresniederschlag
im Vergleich zu etwa 700 mm in Deutschland -
so bildet sich speziell an der hoch aufragenden Westküste doch häufig Nebel, der
kilometerweit in das Land hineinziehen kann. Auch tritt, bedingt durch die relativ
starke nächtliche Abkühlung auf der Insel, häufig starker Taufall ein. Beide Arten
dieses sogenannten "okkulten Niederschlages" wird in den vulkanischen
Piconpartikeln gespeichert und so für die Pflanzen verfügbar gemacht.
Darüberhinaus minimiert die Piconmulchung die ansonsten starke
Bodenwasserverdunstung und trägt zu einer Erosionsminimierung auch an steilen
Hanglagen bei.
Schließlich beugt eine Piconmulchung auch dem Unkrautbefall der solcherart
behandelten Anbauflächen vor, sodaß auf ein Jäten fast gänzlich verzichtet werden
kann. Interessanterweise ist zwar die lanzarotenische Landwirtschaft seit Jahren
rückläufig, wie viele stillgelegte Felder in Hanglagen beweisen, der Anteil der Felder
mit schwarzer Piconmulchung hat dagegen jedoch in den vergangenen Jahren
deutlich zugenommen.

Mineralogisch bieten die Picongruben, so zum Beispiel jene westlich von Maguez bei
Haria wenig Interessantes, dennoch sollte man sich eine solche
Tuffgrube, wie man sie von den Fahrstraßen aus immer wieder sehen kann, ruhig
einmal genauer ansehen. Wird doch hier ein mineralischer Rohstoff gewonnen, der
auch bei semiariden Verhältnissen eine ertragreiche Feldbewirtschaftung ermöglicht
und so ganz entscheidend zur Ernährung der Bevölkerung und auch der
Inselbesucher beiträgt.